Am 20.5. reisten Heinrich Finger, ehemaliger Leiter der Vereinigten Deutschen Missionshilfe (VDM) in Bassum und langjährig Ältester in der Paulus-Gemeinde Bremen, Simon Stahl, Mitarbeiter des Life Trust in Sambia und Dieter Stiefelhagen, Leiter der MV-Sambia-Mission in Deutschland zur großen Konferenz der MV-Partnerkirche, der Christian Community Church (CCC), in den Nordwestzipfel von Sambia. Dort waren geschätzt mehr als 3.000 Menschen zusammen gekommen, um dem Wechsel in der Leiterschaft der CCC beizuwohnen. Dieter Stiefelhagen hatte das Vorrecht gehabt, im Jahr 1997 auf der dortigen Missionsstation „Sachibondu“ den Wechsel vom Gründer der CCC, Gordon Suckling, zum neuen Präses („Overseer“ genannt) Watson Chilapu beizuwohnen. Genau 25 Jahre später übergab nun Watson Chilapu an Alex Kambiambia, den Pastor der CCC-Gemeinde in Kabwe.

Dieter Stiefelhagen berichtet über seine Eindrücke:

Über die Jahre hinweg habe ich mich immer wieder vor Ort in Kabwe mit dem dortigen CCC-Pastor Alex Kambiambia getroffen, Gemeinschaft gepflegt und wir haben uns ausgetauscht. Alex gehört seit mehr als 20 Jahren zum Leitungsteam der MV-Partnerkirche. Auch deshalb war unsere deutsche Präsenz während der Konferenz ein wichtiges Zeichen für den neuen CCC-Leiter. Ich bin sehr froh, dass wir den Impuls Gottes aufgenommen und den Besuch relativ kurzfristig umgesetzt haben.
Auf dem viele Hektar großen Gelände der Missionsstation „Sachibondu“ fand die Leiterwechsel-Konferenz statt. In dieser Gegend im Nordwesten Sambias wurde damals in den 80er und 90er Jahren die CCC gegründet. Deshalb gibt es dort viele CCC-Gemeinden. Es ist jedoch gar nicht so leicht, das Konferenzgelände zu erreichen. Von Kabwe aus sind es nun zwar „nur“ 750 km bis Sachibondu, aber die haben es in sich. Hat man die Städte des „Copperbelt“ Ndola, Kitwe, Chingola, Solwezi und Manyama mit den vielen großen Tagebau-Kupferminen hinter sich gelassen, geht es bis Mwinilunga über eine rund 200 km lange Schlaglochpiste von der übelsten Sorte. Manche behaupten, es sei die schlechteste Straße in Sambia – und das will etwas heißen. Wir haben insgesamt 15 Stunden für den Hinweg gebraucht. Die Achsen und die Reifen des Toyota Prado haben durchgehalten, unsere Rücken auch. Kleine Randnotiz: Vor und nach Chingola stehen geschätzt knapp 2.000 vollgeladene LKW über 30 bis 40 km Länge und warten auf die Abfertigung an der Grenze zum Kongo. Sie warten wohl mehrere Wochen lang auf der Straße ohne hygienische Einrichtungen und haben kaum Versorgungsmöglichkeiten. Das ist nochmals eine ganz andere Herausforderung. Trotzdem, mitten in dem Stop and Go, dem Hin und Her zwischen den schier nicht enden wollenden Schlaglöchern, fragt man sich dann als etwas verwöhnter Deutscher schon einmal, warum man diesen Weg ins Nirgendwo eigentlich auf sich nimmt. Nachdem wir am nächsten Tag dann den gut fünfstündigen Gottesdienst zum Leiterwechsel erlebt hatten, wussten wir es. Es war wichtig und es hat sich gelohnt.
Tausende Besucher hatten auf dem weitläufigen Gelände der Missionsstation „Sachibondu“ gecampt, in Hütten übernachtet oder auch hinter provisorischen Graswänden unter freiem Himmel geschlafen – und natürlich auch gekocht. Der eigene Stausee der Missionsstation bietet nicht nur einen wunderschönen Blick, sondern eben auch Wasser zum Waschen. Alles sehr urig und typisch Afrika. Der Festakt zum Präseswechsel mit von uns grob geschätzt 3.000 Teilnehmern, fast alle auf dem Boden sitzend, war dann beeindruckend, feierlich, persönlich und auch kurzweilig. Verschiedene „Chiefs“ (anerkannte traditionelle Stammesführer) und auch ein Parlamentsmitglied waren anwesend und brachten Grußworte. Alex Kambiambia wurde mit Öl gesalbt und unter Gebet eingesetzt. Und spätestens, als danach aus den verschiedenen Regionen der mittlerweile sehr großen Partnerkirche mit hunderten von Gemeinden in Sambia, im Kongo und in Angola, singende und tanzende Gruppen mit Geschenken nach vorne zur Bühne kamen, wurde es auch etwas lustig (und auch langatmig). Vorne stapelten sich im Laufe der nächsten zwei Stunden Kühlschränke, Fernseher, Elektroherde, Schafe, Ziegen, Säcke mit Süßkartoffeln und irgendwann auch ein Motorrad. Ein Chief hatte eine Kuh geschenkt – aber nur ein Bild der Kuh präsentiert. Und eine CCC-Gruppe hatte es tatsächlich geschafft, das Geld für einen Kleinwagen zusammen zu bekommen und präsentierte ebenfalls ein Foto – zurzeit befindet sich der Wagen vermutlich noch in Japan. Man muss das verstehen: Für den scheidenden Präses Watson Chilapu bedeuten diese Geschenke einen großen Beitrag zur Altersversorgung mangels Rentensystem in Sambia. Es war somit ein besonderes Fest der Wertschätzung für den scheidenden und für den neuen Präses. Kurzum. Es war beeindruckend. Wir haben uns sehr willkommen gefühlt und bleibende Eindrücke mit genommen.

Übrigens, als die Zeit der Geschenke nahte, kamen zuerst die Chiefs nach vorne und überreichten zumeist Umschläge mit Geld. Wir Deutschen hatten im Vorfeld nichts von dieser Zeremonie gewusst und standen zunächst mit leeren Händen da. Wie gut, dass ich dann während meines Grußwortes an die Konferenzgemeinde verkünden konnte, dass wir als Sambia-Mission des MV beschlossen hatten, 3.000€ auf das Kirchenkonto zu überweisen, damit die CCC ihre Administrationskosten bestreiten kann. Und ich konnte Alex Kambiambia außerdem im Namen der MV-Leitung eine Einladung nach Deutschland übermitteln. Wenn die Einreise nach Deutschland machbar ist, werden wir den neuen Leiter der CCC somit hoffentlich im Jahr 2023 im MV willkommen heißen können. Das wurde von der Konferenzgemeinde mit Jubel begrüßt.
Die Partnerschaft zwischen CCC und MV ist in den letzten Jahren ehrlicherweise eher auf Sparflamme gelaufen. Das hatte verschiedene Gründe. Zum einen lief die Partnerschaft damals nach der Pensionierung des MV- Missionars Traugott Hartmann eher einseitig nur über Geld. Damit gab es einige Probleme und wir haben diese Unterstützungspraxis vor einigen Jahren eingestellt. Die CCC kam damit klar und hat ihrerseits in den letzten Jahren ihre teilweise alt gewordene Leiterschaft erneuert. Der Höhepunkt ist nun mit dem Wechsel zum neuen Präses erreicht worden. Die CCC erhofft sich selbst neue Impulse und weitere Erneuerung. Und wir erhoffen uns eine neue Art der Kommunikation zwischen MV und CCC. Das war vorher mit dem alten Präses in der Abgeschiedenheit von Sachibondu nicht möglich. Wir sind jetzt gespannt, was sich zukünftig ergeben wird und wie die Partnerschaft zur CCC neu gestaltet werden kann. Es wird hoffentlich um eine wechselseitige Bereicherung gehen. Wir erhoffen uns dafür gute Impulse und Ideen von unserem Gott. Und wir freuen uns auf die Begegnung mit dem neuen CCC-Overseer, Alex Kambiambia, in Deutschland.

Bremen, den 4. Juni 2022, Dieter Stiefelhagen

v.l.n.r.: Simon Stahl, Dieter Stiefelhagen und Heinrich Finger

Der neue CCC Overseer Alex Kiambiambia mit seiner Frau Gertrude.

Gesang bei der Konferenz.

Geschenke werden überreicht.

Dieter Stiefelhagen bei einem Grußwort im Namen des Mülheimer Verbandes.